LPC in der Presse
DLR erweitertet Luftfahrtforschungsaktivitäten in Hamburg
Von Karl Morgenstern, dpa =
Hamburg (dpa/lno) – Hamburg gehört in der internationalen Flugzeugindustrie neben Seattle und Toulouse zu den «Großen Drei» auf dem Globus. Jetzt sollen auch Luftfahrtforschung und -Wissenschaft noch größere Bedeutung an der Elbe erhalten. Das bestätigte Prof. Joachim Szodruch, Vorstand Luftfahrtforschung, im Deutschens Zentrum für Luft – und Raumfahrt (DLR) am Donnerstagabend im Luftfahrt-Presse-Club (LPC) in Hamburg.
Bereits im Juni dieses Jahres wurde in Hamburg das Zentrum für angewandte Luftfahrtforschung (ZAL) gegründet, an dem das DLR als Gesellschafter beteiligt ist. Die geplanten Aktivitäten zum Aufbau eines Brennstoffzellenlabors (Fuel Cell Lab) werden beim ZAL angesiedelt. Dieses Brennstoffzellellenlabor bündelt die Forschungsaktivitäten des DLR mit den von Airbus und EADS zur Entwicklung und Integration innovativer neuer Energiesysteme für die Luftfahrt.
Der Einsatz von Brennstoffzellen im Flugzeug eröffnet neue Möglichkeiten emissionsloser Energieleistungen wie beispielsweise bei der Notfallenergieversorgung oder als Ersatz für die Hilfsturbinen (APU). Sichtbarster Ausdruck dieser Forschung war die erste öffentliche Präsentation des mit einer Brennstoffzelle angetriebenen Motorseglers Antares DLR-H2 vor wenigen Wochen in Hamburg, der völlig CO2-frei fliegt. Dieser richtungweisende Technologieträger, der weltweit als erstes Flugzeug die Fortschritte in der Brennstoffzellentechnologie demonstriert, wird künftig in Hamburg stationiert und von der Lufthansa Technik betreut.
Bis zum Ende dieses Jahr ist außerdem der Aufbau einer Kooperation mit der Universität Hamburg geplant. Erklärtes Ziel ist es, wie Peter Maschke vom Institut für Luft-und Raumfahrtmedizin am DLR betonte, ein erstes Lehrangebot für Luft- und Raumfahrtpsychologie an einer deutschen Universität zu etablieren. Bereits in diesem Jahr hat die Hamburger Abteilung des DLR-Instituts für Luft- und Raumfahrtmedizin die psychologische Auswahl der dritten europaweiten ESA-Astronautenauswahl geleitet. Dabei wurden rund 1000 Bewerber in Hamburg psychologisch getestet. Hamburger Wissenschaftler waren auch an der ersten Auswertung der am 14. Juli in Moskau abgeschlossenen Isolationsstudie MARS500 beteiligt.
Bereits heute gibt es eine enge wissenschaftliche Kooperation des DLR, das bislang in Hamburg rund 70 Mitarbeiter zählt, und Airbus. Dabei geht es vor allem um gemeinsame Arbeiten im konstruktiven und aerodynamischen Bereich. Darüber hinaus arbeitet das DLR auch eng mit einschlägigen Instituten in Braunschweig und Göttingen zusammen. In diesem Jahr hat die Luft- und Raumfahrtpsychologie des DLR im Spitzencluster Luftfahrt – Metropolregion Hamburg – mit drei Projekten begonnen, die sich mit Kabinenkomfort und Mensch-Maschine-Interaktion in automatischen Systemen beschäftigen. Letzterer kommt vor dem Hintergrund, dass rund 70 Prozent aller Flugzeugunfälle auf menschliches Versagen zurückzuführen seien, erhöhte Bedeutung zu.
Das Hamburger DLR-Kompetenzzentrum für Luft- und Raumfahrtpsychologie hat allein im Jahre 2008 rund 11 000 Kandidaten für deutsche und internationale Fluggesellschaften und Flugsicherungsorganisationen auf ihre Tauglichkeit getestet. Vor allem Airlines aus dem arabischen Raum, aber auch China und Indonesien lassen ihre Kandidaten in Hamburg testen. Von diesen 11 000 Kandidaten entfielen rund 4000 auf die Lufthansa-Gruppe. Wie Peter Maschke erklärte, werden im Regelfall zehn Prozent der getesteten Kandidaten für tauglich befunden.