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Condor verpasst sich Schlankheitskur

Einsparungen von 57 Millionen Euro 2010 geplant

Reuters 16. April 2010, 11:40
Autorin: Angelika Gruber

Hamburg – Der deutsche Ferienflieger Condor verpasst sich eine Schlankheitskur. Die Tochter des Reisekonzerns Thomas Cook wolle ihre Kosten im Rahmen eines Sparprogramms im vergangenen und laufenden Geschäftsjahr um insgesamt 57 Mio. Euro senken, sagte Condor-Chef Ralf Teckentrup am Donnerstagabend im Luftfahrt-Presse-Club in Hamburg. Dies werde sich auch in den Ergebnissen widerspiegeln.

Zudem erwägt das Unternehmen die Auflösung seiner einst aus tarifrechtlichen Gründen vor zwölf Jahren ins Leben gerufenen Tochter Condor Berlin, um Verwaltungskosten zu sparen. “Irgendwann steht das jetzt an, aber wann das kommt, ist noch nicht entschieden”, sagte Teckentrup. Über die Gründung der Tochter hatte Condor versucht, die Pilotengehälter zu drücken – jedoch mit mäßigem Erfolg.

Das noch bis 2011 laufende Sparprogramm hatte Condor im vergangenen Jahr begonnen. Es umfasst ein Bündel von rund 400 Maßnahmen wie etwa einen effizienteren Einkauf, günstigere Vertriebsprovisionen, einen eigenen Technikbetrieb, die Einstellung von jüngerem Personal und geringere Kerosinkosten.

Ex-Lufthansa-Tochter

Die frühere Lufthansa-Tochter gehört mittlerweile vollständig zum Thomas Cook-Konzern. Im Frühjahr vergangenen Jahres hatte der Reisekonzern die restlichen zehn Prozent an dem Ferienflieger übernommen. Derzeit gebe es keinen Grund, an den Eigentumsverhältnissen von Condor etwas zu ändern, sagte Teckentrup. Die Airline sei integraler Bestandteil des Cook-Konzerns und dieser sei “mehr als glücklich” mit der Flugtochter.

In der Vergangenheit war das nicht immer so: Condor hatte zunächst eine Partnerschaft mit Air Berlin ins Auge gefasst und als diese scheiterte einen Zusammenschluss mit dem Konkurrenten TUIfly und der Lufthansa-Billigflugtochter Germanwings ausgelotet. Als die Pläne scheiterten, lagerte TUIfly seine verlustreichen Städteflugstrecken an Air Berlin aus, die Lufthansa will Germanwings zunächst allein weiterführen.

Condor hat derzeit eine Flotte von 34 Flugzeugen. Das Unternehmen sehe sich jedoch am Markt für gebrauchte und neue Flugzeuge nach weiteren Maschinen um, sagte Teckentrup. “Wir rechnen durch, ob es Sinn macht, Flugzeuge auszutauschen. Es kann sein, dass da was kommt.”

Wenn es an Condors Heimatflughafen in Frankfurt ein Nachtflugverbot zwischen 23 Uhr und fünf Uhr früh geben sollte, könnte die Airline voraussichtlich zwei bis drei ihrer Maschinen nicht mehr von Frankfurt aus betreiben und müsse sich einen neuen Standort suchen, sagte der 52-jährige Manager. (Reuters)

Höherer Lohn: Condor-Piloten gehen zur Lufthansa zurück

Neues Personal soll weniger Geld bekommen

DIE WELT, 17. April 2010
Von Heiner Siegmund 17. April 2010, 04:00 Uhr

Hamburg – Die Ferienfluggesellschaft Condor wird innerhalb der kommenden fünf Jahre fast ihr gesamtes Pilotencorps auswechseln. Derzeit sind 450 Cockpitbesatzungen bei der zum Reisekonzern Thomas Cook gehörenden Fluglinie tätig, von denen rund 50 Condor-Verträge haben, die große Mehrheit jedoch ehemalige Lufthanseaten sind.

“Wir rechnen damit, dass das Gros der vom Kranich-Konzern stammenden Besatzungen wegen der höheren Gehaltsstruktur zu ihrem früheren Arbeitgeber zurückkehren wird”, sagte Condor-Chef Ralf Teckentrup vor dem Hamburger Luftfahrt-Presse-Club. Laut Tarifvertrag steht ihnen dieser Schritt zu, da sie zwar für Condor fliegen, aber sich ein Rückkehrrecht zur Lufthansa gesichert haben. Die Vereinbarung stammt aus der Zeit vor 2009, als Deutschlands größte Linienfluggesellschaft wichtiger Anteilseigner der Condor war und das Hauptkontingent der Piloten stellte. Anfang 2009 verkaufte die Lufthansa ihren an der früheren Tochter Condor gehaltenen Restanteil von 24,9 Prozent für 77 Mio. Euro an Thomas Cook.

Laut Teckentrup gebe es derzeit genügend Cockpitkandidaten auf dem deutschen Markt. “Ich sehe da kein Problem bei der Neubesetzung der freiwerdenden Stellen”, sagte der Manager. Von der anstehenden personellen Rochade in den Kanzeln der Condor-Flotte erwartet der Manager erhebliche Einsparungen bei den Personalkosten, weil jüngere Piloten zunächst Einstiegsgehälter bekommen.

Als Ziel des von 2008 bis Ende 2010 laufenden Sparprogramms nannte er 57 Mio. Euro. Das sind rund fünf Prozent des 2009 erzielten Gesamtumsatzes von 1,23 Mrd. Euro. Das Paket umfasst neben geringeren Ausgaben für die Cockpitbesatzungen Effizienzsteigerungen bei der technischen Wartung der Flotte, Senkung der Ausgaben bei Bodenabfertigungen der Flugzeuge sowie Kerosineinsparungen durch den Anbau von Flügelspitzen, so genannten Winglets, an der Boeing-Flotte.

Mit dem im Krisenjahr 2008/09 erzielten Ergebnis von 55 Mio. Euro vor Zinsen und Steuern, nach 57 Mio. Euro 2007/08, zeigte sich der Manager zufrieden. “Seit 2004 haben wir stets positive Ergebnisse erzielt mit konstanten Ebit-Margen im Bereich von fünf Prozent”, sagte Teckentrup. Er führte dies auf eine ausbalancierte Vertriebsstruktur zurück, mit jeweils einem 33-prozentigen Sitzplatzverkauf durch die Reisemutter Thomas Cook, Drittveranstalter wie Rewe sowie Individualbuchungen. Die Durchschnittsauslastung aller Flüge liegt laut Unternehmensangaben bei 87 Prozent, wobei Kurz- und Mittelstreckenziele von 81 Prozent der Passagiere gebucht würden und interkontinentale Flüge von 19 Prozent. Insgesamt flogen im abgelaufenen Geschäftsjahr sechs Millionen Reisende mit Condor.

An den Eigentumsverhältnissen des zu einhundert Prozent zum Thomas-Cook-Konzern gehörenden Ferienfliegers werde sich voraussehbar nichts ändern. Nach dem gescheiterten Versuch, mit Air Berlin zusammenzugehen und den geplatzten Fusionsgesprächen mit TUIfly und Germanwings setze Condor jetzt auf fliegerische Eigenständigkeit im Thomas-Cook-Konzern. Europas zweitgrößter Reiseanbieter nach der TUI betreibt eine Flotte von 94 Flugzeugen in diversen EU-Ländern, von denen 34 zur deutschen Condor gehören.

Als Bedrohung für das eigene Geschäftsmodell bezeichnete Teckentrup die nächtliche Schließung des Frankfurter Flughafens ab 2011, sollte das Bundesverwaltungsgericht dies verfügen.